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Das große Schweigen - Abschied vom Teufel, Hölle adieu...

Das größte Drama des Menschen ist für gläubige Christen, das Ziel seines Lebens, den Himmel, verfehlen zu können. Doch kann das "heutzutage" noch passieren, wo Theologen und Hirten so gerne gemütlich schunkeln "Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind.."? Was wäre die Alternative? Gibt es überhaupt eine? Christus selbst hat immer wieder von der Hölle gesprochen und vor ihr gewarnt. Trotzdem blenden "aufgeklärte" Theologen und Seelsorger die Hölle als Wirklichkeit des Glaubens systematisch aus - ja, verhöhnen gar jene, die auf ihre Existenz hinweisen und sie nicht nur als "Bild" deuten. Wie schwer mögen wohl hier Verantwortung und Schuld wiegen! "Die Prediger, die Katecheten, die Erzieher haben sich verirrt und auch den Mut verloren, mit der Hölle zu drohen. Und vielleicht haben selbst die, die ihnen zuhören, keine Angst mehr davor", sagte Papst Johannes Paul II. Er war überzeugt: Wer über die Hölle und die "letzten Dinge" spricht und predigt, kann viele Menschen zur Umkehr bewegen! Auch das gilt: Für die Kirche zählt vor allem das Gute, nicht das Böse. So kennt sie Heilig- und keine "Verdammungssprechungen". Spekulationen darüber, wer wohl in die Hölle gekommen sein mag, sollten sich Christen verkneifen. Und lieber an den Himmel denken - ohne die Hölle zu vergessen.


Höllenpredigten seien früher, so hört man, üblich und häufig gewesen. In alten Büchern kann man sie nachlesen. In unserer Zeit hingegen wird ein Christ, der in Mitteleuropa regelmäßig in die Kirche geht, kaum mehr davon hören. In der Regel übergehen auch die Religionslehrer das heikle Thema - ein solches ist die Hölle nämlich längst. Oder sie distanzieren sich ausdrücklich vom Gedanken an die Möglichkeit einer Hölle. Mit einem Wort, der Christ von heute hat nicht nur "Abschied vom Teufel" (wie ein in den siebziger Jahren bekanntes Buch von Herbert Haag hieß) genommen, sondern folgerichtig auch von der Hölle.

Verlust der Hölle?
Für die "moderne" Verlegenheit beim Umgang mit diesem Thema, über das früher mit Selbstverständlichkeit gepredigt wurde, gibt es mehrere Gründe:
- Unerträglich scheint vielen die Idee, Gott könne ein Geschöpf zur ewigen Qual verurteilen. Was wäre das für ein Gott, der auch nur ein einziges seiner Geschöpfe zu einem "ewigen Auschwitz" verurteilen würde!
- Die Vorstellung von einem "Höllenfeuer" scheint vielen Menschen lächerlich, als etwas, an das ein rationaler Mensch einfach nicht glauben kann. Gut verständlich, dass sich die Verkünder der Religion bemühen, solch peinliche Lehrstücke, mit denen sie selbst in keiner Weise zurechtkommen, zu vermeiden. Eine Interpretation ihres Schweigens als "pastorale Verantwortung" kann nur willkommen sein.
- Gott kann, sagt man, niemanden verdammen, weil dies seiner Liebe widerspräche und weil, auf der anderen Seite, kein Mensch so schlecht und böse sein kann, dass er diese Strafe verdiente. An die Hölle zu glauben, hieße zugleich, ein unendlich negatives Bild vom Menschen zu zeichnen. Aber "so schlecht" sind die Menschen doch nicht.
- Zudem meint man, das Reden von der Hölle wäre eine Drohung und daher mit dem Anspruch, eine frohe Botschaft zu verkünden, unvereinbar.
"Mensch, lass alle Hoffnung fahren", heißt es in der Göttlichen Komödie über die Hölle, die Gustave Dore hier illustriert. Manch einem scheint die Idee unerträglich, Gott könne ein Geschöpf zur ewigen Qual verurteilen. Was für ein Gott, der auch nur ein einziges seiner Geschöpfe zu einem "ewigen Auschwitz" verurteilte.
- Ein weiterer Grund für die Eliminierung der Hölle aus der Katechese der Kirche ist der Missbrauch und die verheerenden Folgen, die eine unbedachte "Teufel- und Höllenpredigt" tatsächlich anrichten kann und ohne Zweifel auch angerichtet hat, besonders bei Kindern.

Geschichten, die ich als junger Priester gehört habe, lassen ahnen, wie das gehen könnte: "Wenn du im Beichtstuhl dem Priester eine Sünde verschweigst, dann ist das der Teufel, der dir den Mund zuhält", soll ein Katechet einem Buben im Beichtunterricht gesagt haben. Wen wundert es, dass sich das so "belehrte" Kind weigerte, diesen grauenhaften Stuhl auch nur einmal noch zu betreten? "Der Teufel steht immer neben dir, du siehst ihn nur nicht!" habe eine Krankenschwester einem Mädchen gesagt, um anschließend das Licht abzudrehen und das Kind dem Dunkel der Nacht und dem Grauen seiner Fantasie zu überlassen. Mit einem Wort: Gerade derjenige, der die Lehre der Kirche wirklich ernstnimmt und die nötige Sensibilität mitbringt, wird durch solche oder ähnliche Höllen- und Teufelsreden in entsetzliche Leiden hineingestoßen.

Ohne Hölle auskommen?
Es mag scheinen, es sei schwierig, von der Hölle zu reden. Das ist wahr. Nur sollte man sich bewusst machen: Es ist auch keineswegs leicht, ohne Hölle Christ zu sein. Wer die Hölle leugnet oder auch nur verschweigt, gerät ebenfalls in große theologische Schwierigkeiten. Denn ihre Bestreitung führt unerwarteterweise zu neuen, anderen, durchaus schweren theolo-gischen Problemen:
- Wenn die Hölle nicht existiert und daher keinerlei Gefahr darstellt, warum spricht Jesus in solchem Ernst von ihr? Wie soll man die keineswegs wenigen Stellen der Bibel dann verstehen?
- Wenn ohnehin alle Menschen in den Himmel kommen, warum war dann das Kreuz Christi nötig? Warum sich "bemühen" durch die enge Pforte zu kommen, wenn es auch die breite Pforte gibt, die genauso, ohne große Anstrengung, in den Himmel Einlass gibt?
-Auch die Bemühungen der Kirche, das Evangelium zu verkünden, und die Spendung der Sakramente haben dann keinen Wert mehr für die Ewigkeit: Wozu? Bloß noch für ein leichteres Leben auf Erden, weil der Himmel ohnehin sicher ist? Wenn der Mensch das ewige Leben nicht verlieren kann, wäre alles Tun der Kirche für die Ewigkeit und das gesamte Bemühen und Kämpfen der Gläubigen unnötig und unsinnig und müsste ganz auf irdische Ziele ausgerichtet werden.

Die alte Frage, wie auch Ungläubige und Nichtchristen gerettet werden können, wäre ebenso überflüssig: Nicht mehr ihr Heil wäre die Frage, sondern vielmehr, wie Christen an ihrem Heil jemals zweifeln konnten und was der Glaube oder Unglaube überhaupt mit der ewigen Seligkeit zu tun habensoll. Nichts hat er damit zu tun, müssten die Leugner der Hölle antworten.

Die Frage nach der Hölle
So dunkel das Geheimnis auch ist, die Lehre von der Hölle steht, biblisch gesehen, "auf festem Grund" (J. Kardinal Ratzinger). Die Kirche hört dabei auf Christus selbst: Jesus spricht öfters von der "Gehenna" des "unauslöschlichen Feuers", die für jene bestimmt ist, die sich bis zum Ende ihres Lebens weigern, zu glauben und sich zu bekehren, und wohin zugleich Seele und Leib ins Verderben geraten können. Christus kündigt in ernsten Worten an, dass er "seine Engel aussenden" wird, die "alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und ... in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt" und dass er das Verdammungsurteil sprechen wird: "Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer!" Aufgrund dieser biblischen Zeugnisse und der Tradition hält der Katechismus fest: "Die Lehre der Kirche sagt, dass es eine Hölle gibt und dass sie ewig dauert ..." Die Christen aller Zeiten haben die Lehre von der Holle als dunkles, grauenerregendes Geheimnis empfunden. Kein Wunder, dass sie immer wieder von Sekten bestritten wurde. Man versteht gut, dass auch etliche große Theologen gemeint haben, "am Ende" müsse die Hölle von der Liebe Gottes überwunden werden, also aufhören zu existieren. Das ist ja der quälende Stachel der Höllenlehre, der das verstehende Denken hindert, zur Ruhe zu kommen: dass sie ewig sein soll.

Wäre Gott ohne Hölle gerecht?
Dass Sünder gestraft werden, leuchtet ein. Mehr noch: Es wäre sogar eine unerträgliche Vorstellung, dass die scheußlichsten Verbrechen, von Menschen an Menschen begangen, in alle Ewigkeit ungeahndet blieben. Wo bliebe die Gerechtigkeit Gottes, wenn all die "Hitlers" unterschiedslos und ohne Weiteres in den gleichen Himmel kämen wie ihre unzählbaren Opfer? Das Blut aller ermordeten, ausgebeuteten, vergewaltigten, unterdrückten, betrogenen Menschen würde seit Beginn der Geschichte zum Himmel schreien - und doch nie, niemals eine Antwort von Gott, der gerecht ist? Schon die tatsächlich unbegreifliche Tatsache, dass auch Gott all das Böse, das Menschen einander antun, nicht ungeschehen machen kann, ist in den "Brüdern Karamasov" der entscheidende Grund für den Atheismus einer der Figuren Dostojewskis - wie erst, wenn es nicht einmal "nachher", in der Ewigkeit, eine Sühne gäbe! So gesehen ist die Lehre von der Hölle, wie Johannes Paul N. sagte, die "letzte Rettung für das moralische Gewissen der Menschen".
Zu bedenken ist auch: Das Wissen um Gott als gerechten Richter aller Menschen ist allen monotheistischen Religionen gerneinsam und selbstverständlich. Soweit verständlich! Aber eine ewige Strafe? Ewige Verdammung für zeitliches Versagen? Sogar wenn es schlimmste Verbrechen waren, die geschehen sind: Strafe ja und unbedingt, aber doch nicht die Qual der Hölle für immer und ewig! Die Idee einer "Allversöhnung" an irgendeinem "Ende" der Zeit schiene viel christlicher, viel einleuchtender zu sein. Und doch, in Treue zum biblischen Zeugnis beharrt die Tradition der Kirche: Die Hölle ist ewig.

Was ist die Hölle?
Ihrem Wesen nach beginnt die Hölle durch den "Ausschluss von der beseligenden Gottesschau". Sie ist, so heißt es im Katechismus, der "Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen". Folgerichtig, denn das Wesen der tödlichen Sünde, deren Folge und Fortführung die Hölle ist, besteht in der Abwendung von Gott ("aversio a Deo"), wie Thomas von Aquin lehrt. Hölle ist dann nur das Andauern der tödlichen Sünde. Darum ist die Hölle eine Qual. Denn der Mensch ist für Gott geschaffen und für die Liebe zu ihm. Völlig unvermeidbar ist daher die Trennung von Gott eine Qual. Es ist vergleichbar mit einem Maler, der erblindet, einem Musiker, der taub wird oder einem Läufer, der erlahmt. Doch das sind schwache Vergleiche. Innerweltlich ist der beste Schlüssel zum Verständnis der schuldhafte und unwiederbringliche Verlust eines Menschen, den man über alles geliebt hat. Nicht der körperlich Leidende, sondern der aus eigener Schuld Geschiedene, der seine Frau immer noch liebt, ist der, der ahnt, was Hölle ist.
Wenn der Mensch für Gott und die Liebe zu ihm erschaffen ist und in der Gemeinschaft mit ihm sein höchstes Glück besteht, dann kann man annehmen, dass die Trennung von Gott unweigerlich das größte Unglück sein muss - die Hölle eben.

Was ist das "Feuer" der Hölle?
Die Rede vom "Feuer" der Hölle oder ihre Beschreibung als "Feuersee" ist nicht eine Erfindung des Mittelalters und nicht der barocken Malerei, sondern geht auf die Bibel zurück. Bevor man sich also über die Idee von einem "Feuer der Hölle" lustig macht, sollte man bedenken, dass sich Jesus selbst dieser Rede bedient hat. Man kann es drehen und wenden, wie man will: In der Bibel ist sehr oft vom Feuer, vom Schwefel, vom Leiden in der Hölle die Rede. So heißt es in der Offenbarung des Johannes: Der Böse "wird mit Feuer und Schwefel gequält vor den Augen der heiligen Engel und des Lammes. Der Rauch von ihrer Peinigung steigt auf in alle Ewigkeit, und alle, die das Tier und sein Standbild anbeten und die seinen Namen als Kennzeichen annehmen, werden bei Tag und Nacht keine Ruhe haben."
Das heißt: Die Trennung von Gott ist zwar die "schlimmste Pein" der Hölle, aber darüber hinaus gibt es noch anderes Leiden, je nach Schwere der Sünden - und das Gute, das jemand im Leben getan hat, nützt ihm durch Milderung der Leiden. Das ist folgerichtig, denn ansonsten würden alle "gleich" bestraft, nämlich durch die Trennung von Gott. Aber verschiedene Formen der Sünde verdienen verschiedene Strafen. Mit anderen Worten: Das "Feuer" bezeichnet diese "zusätzliche Strafe", die die Gerechtigkeit fordert. Übrigens hat Dante Alighieri gedacht, schlimmer als das Feuer wäre das Eis.

Wer kommt in die Hölle?
Der Katechismus sagt: "In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben" - und eben das nennt man "in die Hölle kommen". Die Praxis allerdings ist komplizierter. Denn erstens wissen wir "von außen" nie, ob jemand eine Todsünde begangen hat oder nicht. Zweitens kann er sie im letzten Augenblick - vielleicht zu einem Zeitpunkt, wo die Angehörigen den Menschen schon für tot hielten - bereuen. Das heißt aber: Wir können von niemandem mit Sicherheit behaupten, er oder sie seien in der Hölle. Eher können wir bei sehr guten Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass sie im Himmel sind. Bei den Heiligsprechungen tut dies die Kirche mit ihrer Autorität sogar mit einer Sicherheit, die sie von oben empfängt. Aber, und das ist bemerkenswert, sie hat nie behauptet oder durch ihr Tun erkennen lassen, dass sie eine solche Beurteilungskompetenz auch bezüglich der Verdammung besäße. Kurz gesagt: Es gibt Heilig- aber keine "Verdarnmungssprechungen". Wir kennen die Namen von Heiligen, aber nicht einmal von Hitler oder Judas lehrt die Kirche, sie seien "sicher" in der Hölle. Wer kommt in die Hölle? Das Schweigen darüber "ist die einzig angemessene Haltung der Christen". Falsch und irreführend sind Behauptungen wie: "Alle, die in der Hölle sind, sind dort wegen der Unkeuschheit." Ebenso unsinnig ist die Vorstellung von einer Sonderstellung sexueller Verfehlungen: die Idee nämlich, dass jede - in unseren Augen noch so kleine - sexuelle Verfehlung vor Gott Todsünde sei, um deretwillen man in die Hölle kommt. Es gibt keine Sonderstellung sexueller Sünden. Wenn jemand in der Hölle ist, dann wegen einer Todsünde, welche es auch sei. Es kann auch eine besonders schwere sexuelle Sünde sein, aber sexuelle Verfehlungen sind als solche nicht die schlimmsten.

Ist die Hölle "leer" oder "voll"
Wir wissen es nicht. Auch wenn Jesus sagt, dass viele den Weg des Verderbens gehen, ist das kein Beweis für eine "volle" Hölle. Er sagt, sie gehen diesen Weg, aber er sagt nicht, ob sie im Verderben ankommen oder doch noch gerettet werden. Wir dürfen für alle hoffen, zumal die Kirche für alle betet, müssen aber das Urteil Gott überlassen. Sicher ist nur: Gott will das Heil aller Menschen, er will es wirklich, mit der großen Kraft seiner Liebe. Daher haben wir mehr Grund zu hoffen, die Hölle könnte menschenleer sei n, als anzunehmen, dass sich einige Menschen in ihr befinden.
Zur Sicherheit sei auch angemerkt: Privatoffenbarungen, in denen der Seher Menschen in der Hölle sieht, entscheiden die Frage nicht, erst recht nicht negative "Nahtod-Erlebnisse". Wenn dennoch Menschen in der Hölle sind und wir dies in der Ewigkeit erkennen sollten, werden wir ganz und gar einverstanden sein mit dieser Fügung Gottes. Dann (nicht jetzt!) werden wir sehen: Es besteht nicht der geringste Widerspruch zwischen der Liebe Gottes und der Existenz der Hölle. Urs von Balthasar nennt diese Frage zwar ein "schändliches Problem", räumt aber ein: sie ist unumgänglich, wenn es überhaupt jemanden in der Hölle gibt.

Soll man von der Hölle reden?
Das Konzil sagt: "Da wir weder Tag noch Stunde wissen, müssen wir auf die Ermahnung des Herrn hin standhaft wachen, damit wir, wenn unser einmaliger irdischer Lebenslauf erfüllt ist, mit ihm zur Hochzeit einzutreten und den Gesegneten zugezählt zu werden verdienen und uns nicht wie bösen und faulen Knechten geheißen wird, ins ewige Feuer zu weichen, in die Finsternis draußen, wo .Heulen und Zähneknirschen' sein wird. Eigentlich absurd: Da besteht eine große Gefahr, sogar die einzig wirkliche Gefahr für die Menschen - aber wir verschweigen sie. Wenn Jesus von ihr gesprochen hat, dann müssen das auch seine Diener tun. Die Predigt über die "letzten Dinge" brachte viele Menschen zur Umkehr, schrieb Papst Johannes Paul II. in seinem Buch "Die Schwelle der Hoffnung".

Regeln für die "Höllenpredigt"
Vorsicht ist angebracht! Wenn der Prediger (oder wer immer) über die Hölle ernsthaft spricht, muss er sich vor Augen halten: Seine Worte sind objektiv ungeheuerlich! Daher ist es dringend notwendig, mit größtem Verantwortungsbewusstsein dieses Thema zu behandeln:
- Die Rede von der Hölle muss in der "Hierarchie der Wahrheiten" an dem ihr zukommenden Platz stehen: nicht zu weit "oben", nicht zu weit "unten".
- Der Redner muss das Thema angehen wie Maria in Fatima, die den Kindern zuerst den Himmel verspricht und dann erst die Hölle zeigt. Oder: Bevor man jemand in den Abgrund schauen lässt, sollte man ihn anseilen. Der Gläubige muss zuerst wissen: Nichts kann mich gegen meinen Willen von der Liebe Gottes trennen, darum bin ich in Sicherheit.
- Die Menschen sind verschieden sensibel, besitzen verschiedene Charaktere und leben in verschiedenen häuslichen Situationen: Von der Hölle wird man vor Kindern anders reden als mit Erwachsenen, und auch bei diesen kann ein "falscher Ton" verhängnisvoll sein.
- Der pastorale Sinn muss im Mittelpunkt stehen: Es geht nicht um Befriedigung der Neugierde, sondern um Warnung und Umkehr.

Wenn der allmächtige Gott, wie Paulus sagt, das Heil aller - wirklich aller! - Menschen will, dürfen wir vertrauensvoll mit dem alten Totenhymnus "Dies irae, dies illa" (der heute zu Unrecht als "Schreckensbotschaft" diffamiert wird) argumentieren: Du hast für mich das
Kreuz erlitten - das soll nicht umsonst sein! Mit Recht hat Robert Spaemann gesagt: "Das ganze Christentum ist in diesem Vers!" Und wie groß darf schließlich die Hoffnung sein, wenn zudem gilt: "Gottes Barmherzigkeit ist unvergleichlich größer als alle Sünden, die ein Geschöpf je begehen könnte."


Autor: Andreas Laun (Weihbischof von Salzburg)     Quelle: Komma Magazin, August 2013















 
 
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