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Die Tugend-Tyrannei ist auf dem Vormarsch

Tempolimit, kein Fleisch auf dem Tisch, kein „Mohr“ im Kinderbuch – Braucht die Gesellschaft immer mehr Gebote, aufgetragen von Gutmenschen? Ein Plädoyer von Martina Fietz für den selbstbestimmten Bürger.

Bürgerinnen und Bürger? Muss nicht sein! Ich weiß, alle Maßstäbe der aktuell gebotenen Tugendhaftigkeit sind damit gerissen. Doch es hilft nichts: Ich finde es auch albern, den „Mohr“ oder „Neger“ aus Kinderbüchern zu vertreiben. Genauso wie ich es lächerlich finde, dass in jeder öffentlichen Äußerung die weibliche Form mitgesprochen werden muss und alle Redner ein „Bürgerinnen und Bürger“, „Zuhörerinnen und Zuhörer“ oder „Wählerinnen und Wähler“ dahin nuscheln. Ich halte es auch nicht gleich für diskriminierend, wenn jemand das Unwort „Ausländer“ ausspricht, und ich kann nachvollziehen, wenn Menschen die Forderung nach dem Adoptionsrecht für Homosexuelle befremdlich finden.

Ich gestehe: Ich bin dagegen, dass der Staat die Hälfte meines Einkommens wegsteuert. Vielmehr betrachte ich mich schon jetzt als hinreichend mündig, über meinen Pflicht-Anteil hinaus das Gemeinwesen finanziell zu unterstützen, wo ich es für nötig halte. Ich verstehe nicht, warum Eltern sich heutzutage rechtfertigen sollen, wenn sie ihre Kinder nicht gleich nach der Geburt in die Krippe geben möchten. Und ich plädiere nach wie vor für den Lebensschutz und dafür, Abtreibung als Tötung menschlichen Lebens und Sterbehilfe als problematisch zu benennen. Nicht zuletzt empfinde ich in einem Land mit christlicher Prägung und Kultur die Forderung anmaßend, ein Kreuz aus einem Gerichtssaal zu entfernen.

Neue Instanzen und neue Regeln
„Umweltsau“, „Ausländerfeind“, „frauenfeindlich“, „reaktionär“, „asozial“, „ewig gestrig“: Meine innere Stimme ruft mir schon all die Anwürfe zu, mit denen dieses „Outing“ quittiert werden dürfte. Ich sehe ihnen gespannt entgegen. Dabei frage ich mich, woher es kommt, dass unser Begriff von Toleranz eine Neuinterpretation erfahren hat.

Liegt es vielleicht daran, dass ein einmal allgemeingültiges Wertegerüst verloren gegangen ist? Dass die Ablehnung einer verbindlichen Moral dazu führt, dass das, was man zu tut hat oder nicht, neu definiert werden muss? Als neben dem Recht noch das Gebot stand, von dem sich nicht nur konsequente Kirchgänger leiten ließen, gab es eine selbstverständliche Instanz die vorgab, was richtig und was falsch ist. Indem diese Instanz zunehmend hinterfragt und an den Rand gedrängt wird, müssen andere Mechanismen greifen. Neue Autoritäten stellen neue Regeln auf.

Deutungshoheit bei den Grünen?
Politisch betrachtet sind es vor allem die Grünen und ihre Anhängerschaft, die sich die Deutungshoheit für Recht und Anstand in Deutschland anmaßen. Mit der Attitüde des Gutmenschen infiltrieren sie die öffentliche Debatte. Nachdem sie es waren, die allein – zumindest in der eigenen Wahrnehmung – den Wald gerettet und den Atomkraftwerken den Stecker gezogen haben, kommt nun das Projekt „besserer Mensch“ zum Tragen.

Es versteht sich von selbst, dass, wer dazu gehören will, bereit ist, höhere Steuern zu zahlen, wie er auch die Wahrung aller Minderheitenrechte gutheißt. Und eh man sich’s versieht, ist die Mehrheit im Rechtfertigungszwang. Die SPD kann dagegen übrigens nichts ausrichten. Sie nimmt schmerzlich wahr, dass die Grünen ihr die Vormachtstellung im linken Lager streitig machen, und weiß sich nicht anders zu helfen, als ihrerseits mit Vormundschaft zu reagieren, wie aktuell Parteichef Sigmar Gabriel mit seinem Vorstoß zum Tempolimit. Und während die FDP wenigstens tapfer „Alarm“ ruft, halten sich die Unionsparteien vornehm zurück. Keine offensive Wertedebatte, nirgends. So bleibt die Tugend-Tyrannei auf dem Vormarsch. Der Wahltag im September gibt auch Aufschluss darüber, mit welchem Erfolg.


Autor: FOCUS-Online-Korrespondentin Martina Fietz, Quelle: FOCUS online vom 10.05.2013


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