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Die Tugend der Gehorsamkeit

So manche Tugend genießt ein positives Image. Klugheit etwa, Gerechtigkeit oder Tapferkeit. Der Gehorsam gehört nicht dazu. Wer "gehorsam" ist, der lebt als Marionette, als Depp, dem mangelt es an eigenem Profil. So sagt man.


Klar, der Mensch gehorcht Verkehrsregeln, Verordnungen und Gesetzen. Schon aus Klugheit, denn hier geht es um Gefahr für Leib und Leben, um Recht und Strafe. Natürlich, auch beim Steuerberater, Arzt, Rechtsanwalt, Automechaniker oder Gärtner holt man sich Rat - und folgt dem meist. Denn auch hier steht Wichtiges auf dem Spiel: Gesundheit, Geld, Auto und Garten. Und schließlich traut man Prognosen, Anleitung und Geschmack des Anlageberaters und Fitnesstrainers, des Friseurs und des Inneneinrichters, den "Argumenten" der Werbung. Ist doch logisch. Die wollen doch nur das Beste für ihre Kunden. So gehorcht man, selbst wenn man es, wie bei der Werbung, nicht immer merkt.

Horchen und vertrauen
Doch in Fragen von Glaube, Moral und Seelenheil sieht das anders aus. Hier braucht man keinen Fachmann, hier darf der aufgeklärte Mensch selber ran, zumal es ja nicht um so Wichtiges geht. Wenn der Friseur zu einem Shampoo rät, das gegen Schuppenflechte hilft, wenn der Mechaniker mahnt, den Motor nicht so hoch zu drehen, solche Tipps nickt man ab. Die Leute besitzen schließlich Kompetenz und Erfahrung. Aber die Kirche, mit all dem "Dreck am Stecken"? Man kennt die Brüder doch. Da vertraut man schon lieber dem kleinen Theologen in sich selbst.
Vertrauen: die wichtigste Voraussetzung für den Gehorsam, der neben Armut und Keuschheit einer der "evangelischen Räte" ist. Nur wer vertraut, kann freiwillig gehorchen, lebt keinen "Kadavergehorsam". Ganz sicher gehört der Gehorsam zu den Tugenden, die dem Menschen vieles abverlangen. Ein gläubiger Mensch, der seiner Kirche "gehorchen" möchte, der muss sich enorm anstrengen, Denn der ärgste Feind des Gehorsams ist der Stolz, die Ursünde des Menschen. Und der Stolz verführt dazu, sich seinen eigenen Glauben zu basteln: "Christus hat gesagt, die Kirche lehrt, das Konzil beschließt, der Papst mahnt - ich aber meine…..

Die Sünde als "einzig freie Tat"?
Doch hebt der Gehorsam nicht die Freiheit auf? Wie schon gesagt: Der Mensch gehorcht Tag für Tag, Stunde für Stunde. Die Frage ist nur, wem: Sich selbst, seinen Launen, einer Ideologie oder einem göttlichen Gebot? Hier liegt die Grundentscheidung, die in Freiheit zu treffen ist. Für Sartre war die Sünde die "einzigfreie Tat". Er übersah dabei, dass der Mensch nicht kraft, sondern mangels seiner Freiheit sündigt. Wie dem Künstler ein Werk misslingen kann - nicht kraft, sondern mangels seiner Kunstfertigkeit.

Freiheit ist immer dort in Gefahr, wo sie ihr letztes Ziel aus den Augen zu verlieren droht. Das ist der Fall, wenn sie auf bestimmte Betätigungsfelder des menschlichen Geistes eingeschränkt wird, wenn sie also nicht mehr auf das Ganze des Daseins zielt. Man tut dann so, als gäbe es eine politische, eine soziale, eine ökonomische und eine künstlerische Freiheit, und übersieht, dass all diese Freiheiten nur real sind, wenn sie gemeinsam existieren und so auf das Gesamtziel des menschlichen Lebens hin geordnet bleiben.

Übrigens, wer dem Menschen Freiheit verspricht, muss schon sagen, "wovon". Man kann sich von seiner Frau "befreien" und lässt sich scheiden. Die Französische Revolution versprach, dass alle endlich frei und glücklich würden, wenn die Autorität des Ancien Régime beseitigt wäre. Nichts gegen Liberté, Egalité, Fraternité. Doch lebten die befreiten. Franzosen ihr neues Glück zuerst einmal aus, indem sie Europa mit Krieg überzogen. Später wollten Kommunismus und Sozialismus die Menschen befreien - und führten sie in die Sklaverei. Alle radikalen Freiheitsträume laufen letzten Endes auf die Forderung hinaus, den Menschen von der Wirklichkeit zu befreien. Und die ist geprägt vom Ziel und Sinn des Lebens. Der Mensch ist nicht in der Lage, sein Leben hiervon zu "befreien", er kann die Frage nach Sinn und Ziel höchstens verdrängen.

Unberührt von Klischees
Gehorsam, Horchen, Vertrauen, Freiheit, Willkür, Sklaverei. Vielleicht kann das Wissen um diese Verkettung helfen, den Gehorsam des Christen vom Klischee des Skandalösen zu befreien. Viel wäre gewonnen, wenn es gelänge, sich einmal vorbehaltlos auf Botschaft und Lehre der Kirche einzulassen, zuzuhören, nachzulesen. Wenn man die gängigen Vorurteile einmal beiseite ließe und sich ernsthaft um Vertrauen mühen würde. Zur Kirche, zu einem Priester. Vieles könnte in anderem Licht erscheinen. Die Erkenntnis mag gelingen. Den Gehorsam zu leben, das bleibt schwer genug. Und das soll wohl auch so sein, denn ... its a hard way to heaven.



Quelle: Komma - Magazin, August 2013


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