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Offener Himmel – Hölle geschlossen?

Es ist ein Alarmzeichen für die Kirche, wenn Irrlehrer auftreten dürfen, die behaupten, es gäbe Hölle und Teufel „jetzt nicht mehr“. Ein kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun

Salzburg (kath.net) Vor Jahren erregt das Buch von Herbert Haag, „Abschied vom Teufel“, großes Aufsehen und löste viele Diskussionen aus. Das Buch haben die meisten Leute vergessen, aber die Irrlehre nistet wie eine übersehene Krebszelle im Denken vieler Christen. „Abschied vom Teufel“ heißt in logischer Folge natürlich auch „Abschied von der Hölle“, und diese Irrlehre verhält sich, um ein anderes Bild zu verwenden, wie ein „Schläfer“ im Sinn eines Terroristen, der sich lange unauffällig verhält, aber eines Tages „aufwacht“ und „zuschlägt“.

Kürzlich erzählte mir eine Frau folgende Geschichte: Im Rahmen des „Offenen Himmels“, einer Art „Volksmission“ in neuer Form und einer an sich sehr schönen pastoralen Idee antwortete ein Vortragender auf die Frage eines Zuhörers, ob es die Hölle gebe, mit einem klaren Nein. Niemand aus dem katholischen Publikum widersprach ihm, nur ein Mann aus der Freikirche stand auf und zählte wenigstens einige Stellen aus dem Alten und Neuen Testament auf, in denen klar und unmissverständlich von der Hölle die Rede ist. Ich war nicht dabei, ich weiß nicht, wie der Abend weiter verlaufen ist, aber es ist meine Pflicht laut und deutlich zu sagen: Der Mann aus der Freikirche benahm sich wie der einzige Katholik im Saal.

Gegen der Vortragenden, diesen falschen Propheten, der im Sinn des Zeitgeistes antwortete und nicht im Sinn der Wahrheit, ist sehr viel zu sagen: 2000 Jahre lang hat die Predigt der Kirche vor der Hölle gewarnt, und auch wenn manche Prediger nicht immer den richtigen Ton gefunden haben, gehört die Hölle eindeutig doch zur Lehre der Schrift, zur Lehre der Kirche, zur Lehre, die in vielen Gebeten enthalten ist. Und jetzt kommt ein theologisch schlecht gebildeter Redner und will diese Lehre mit seinen Worten wegwischen, wobei er vermutlich glaubt, er tut den Leuten etwas Gutes und sei eben „modern“?

Natürlich, man kennt das übliche Hauptargument: Der „so liebe Gott“ kann doch nicht so „grausam“ sein, und Menschen in die Hölle schicken. Wer so redet, hat nichts verstanden: Die Lehre von der Hölle ist, sozusagen, nicht ein „Problem Gottes“, sondern ein „Problem der Freiheit des Menschen“. Die Frage lautet nicht: „Wie kann Gott das tun?“, sondern: „Wie kann ein Mensch so böse sein und Gott so hassen, dass er lieber auf sein eigenes Glück verzichtet, als Gott anzuerkennen?“ Vor Jahren lernte ich von P. A. Rodewyk SJ., einem großen Exorzisten: „Das Tor der Hölle ist von innen zu.“ Das heißt: An das „Tor der Hölle“ klopfen nicht von innen verzweifelte Leute, denen ihre Sünden jetzt leidtun und die betteln, auch in den Himmel kommen zu dürfen, sondern: Die Verdammten wollen nicht in die Nähe Gottes, sie halten diese Nähe nicht aus, sie wäre für sie die noch größere Qual, sie bleiben, buchstäblich um jeden Preis, bei ihrem hasserfüllen Nein zu dem „Heiligen Israels“. Eine Art Höllenbeschreibung findet man auch beim Propheten Amos (6,3-12): Ein Mann, allein unter Leichen, sagt zu dem, der ihn retten will: „Sprich ja nicht den Namen des Herrn aus.“

Dieses selbstbestimmte Fern-Bleiben aus Hass ist die Hölle. Dass Geheimnis der Hölle ist ein Geheimnis menschlicher Freiheit zum Bösen.

So wahr es ist, dass man die Lehre von der Hölle missbrauchen kann und durch Dummheit lächerlich machen kann: Eine noch größere Dummheit ist es zu meinen, Hölle und Teufel und die Gefahr für die Menschen hören auf zu bestehen, wenn irgendjemand behauptet, es gäbe sie „jetzt nicht mehr“. Ein Alarmzeichen für die Kirche ist es, wenn solche Irrlehrer auftreten dürfen.

Ähnlich eine andere Geschichte: Eine wirklich katholische Religionslehrerin erzählte mir, sie dürfe während ihrer Probezeit in der Schule nicht von Hölle sprechen, weil sie sonst riskierte, entlassen zu werden. Ebenso gebiete ihr die Klugheit, nicht von Papst Benedikt XVI. zu reden, der zum Beispiel in der Enzyklika über die Hoffnung auch das Thema der Hölle sehr behutsam, aber auch sehr klar angesprochen hat. Papst Franziskus nimmt sich bekanntlich wegen des Teufels kein Blatt vor den Mund, aber sie müsse dies vorläufig schon noch tun.

Ja, der Abschied von Hölle und Teufel sitzt im Hirn von vielen Leuten, die sich für gute, aber eben moderne Christen halten. Aber man muss laut und deutlich sagen: Die Hölle lässt sich durch Reden und Behaupten so wenig aus der Welt schaffen wie die Existenz und Gefahr von Lawinen, Tsunamis, Vulkanen und Eisglätte auf winterlichen Straßen. Genau dieses mit der Hölle dennoch zu versuchen ist eine Irrlehre und noch dazu eine gefährliche wie alles Reden von Gefahren, die man nicht kennt und meint, sie weg reden zu können. Um sie zu entlarven würde es schon genügen, den Psalm (10,4) ernst zu nehmen: „Überheblich sagt der Frevler: «Gott straft nicht. Es gibt keinen Gott.» So ist sein ganzes Denken.“ Neulich rief mir im Zug, als ich gerade aussteigen und nicht mehr antworten konnte, eine Frau ganz unerwartet zu: „Herr Laun, Gott straft nicht. Merken Sie sich das.“

Alle, die das glauben und dieser Irrlehre verfallen sind, sollten sich fragen lassen und, besser noch, selbst fragen: Wozu wäre Jesus so qualvoll „für uns“ gestorben, wenn ohnehin alle, alle ganz sicher in den Himmel kommen? Warum hat er das nicht gesagt? Wozu die hl. Beichte? Wozu beten wir: „Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle…“

Warum soll der Erzengel Michael den Teufel, den es nicht gibt, in die Hölle stürzen, wenn es diese auch nicht gibt? Warum sagte Jesus (Mt 10,28) warnend, wir sollten den Teufel fürchten, weil er uns in die Hölle bringen kann? Wieso redet Jesus (Mt 23,15) von der Gefahr, ein „Sohn der Hölle“ zu sein oder zu werden? Warum empfiehlt Jesus (Mt 18,9), lieber auf ein Glied des Leibes zu verzichten statt in die Hölle zu kommen?

Warum konnte die Kirche Fatima als echte Erscheinung anerkennen, wenn sie ein Hauptkriterium für die Anerkennung der Echtheit einer Privatoffenbarung nicht erfüllt, sondern ganz im Gegenteil eindringlich von der Hölle sprach – und wenn die Rede von der Hölle eine Irrlehre wäre?

Wieso kann der hl. Petrus (1 Petr 5,8) von einem „brüllenden Löwen“ sprechen, der den Menschen zu verschlingen droht, wenn dieser Löwe, wenn es ihn überhaupt geben sollte, nur ein Kuscheltier ist und niemand wehtun kann? Was meint Jesus (Mt 7,13), wenn er von einem breiten Weg zu einem Tor spricht, das ins Verderben führt – welches „Verderben“ könnte er gemeint haben?

Und weiter: Wozu sind die vielen Märtyrer unter Qualen gestorben, wenn alles ohnehin einfach ist und auf jeden Fall gut ausgeht?

Und eine letzte Frage: Wenn die Kirche bezüglich Teufel, Hölle, Gefahr des ewigen Verderbens so schwerwiegend geirrt hat, wieso sollte man glauben, dass sie sich nicht in anderen, ja in allen anderen Fragen genauso irrt?

Oder sollte man die Lehre von der Hölle nur festhalten mit Blick auf die Ökumene mit den Orthodoxen, oder noch absurder, um mit den Muslimen eine gemeinsame Gesprächsbasis zu behalten?

Nein, nein, und nochmals nein, wer die Hölle leugnet tut den Menschen nicht nur nichts Gutes, vielmehr zerstört er letztlich alles, den Glauben an Jesus, der sich offenbar geirrt hat, und erst recht den Glauben an Seine Kirche, und er bringt den Menschen in die große Versuchung und damit in Gefahr, seelenruhig den breiten Weg weiterzugehen, der ins Verderben führt. Oder hat Jesus eine Autobahn auf dem Weg in den Urlaub gemeint? Das wird wohl niemand behaupten wollen, aber was dann?

Es bleibt dabei: Die Hölle gehört zur Botschaft des Evangeliums. Einigen Unbelehrbaren muss man aber auch sagen: Man sollte mit der Hölle im Ernst keine Witze machen, die „Sache ist zu ernst“. Erst recht darf man von keinem konkreten Menschen behaupten zu wissen, er käme in die Hölle. Die Kirche kennt „Heilig-Sprechungen“, aber keine einzige „Verdammt-Sprechung“.

Was die Kirche nicht aufhört zu sagen ist: Betet um euer ewiges Heil, bemüht euch darum und vertraut auf die unvorstellbar große Barmherzigkeit Gottes. Die Kirche macht es wie Maria in Fatima mit den Kindern: Zuerst sicherte sie ihnen den Himmel zu, erst dann sprach sie von der Hölle und „zeigte“ sie ihnen. Über einen Abgrund sollte man sich nur beugen, wenn ein Geländer da ist oder man am Seil gesichert ist.

Oder auch: Zuerst lange in den „offenen Himmel“ schauen, dann kurz in die „offene Hölle“ und dann wieder zurück zum Himmel.

 

Quelle: www.kath.net/news/43663 vom 13.11.2013


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